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September 25, 2016

Interview mit Thomas Ehrhardt von AmTrust zur Kreditausfallversicherung

Im Magazin Vorsprung, Ausgabe September 2016 rund um das Thema Beleihungswert und Eigenkapitalentlastung, wird unter anderem Thomas Ehrhardt von AmTrust interviewt.

Versicherungskonzepte zur Eigenkapitalentlastung und Ertragssteigerung

Kreditausfallversicherungen: Sie sollen Kreditgeber absichern und insbesondere im Bereich der Immobilienfinanzierung Darlehensnehmern den Hauserwerb ermöglichen, den der Gesetzgeber durch die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) zusätzlich erschwert hat. In Zeiten des Margendrucks ist das eine Chance für Banken, neue Kunden und Marktsegmente zu gewinnen und gleichzeitig die Bilanzen zu schonen. Wir haben den Hauptbevollmächtigten von AmTrust International Mortgage und Special Risks, einer der führenden Anbieter von Versicherungskonzepten für Ausfall- und Spezialrisiken, getroffen und mit ihm über die Eigenkapitalanforderungen in der Finanzbranche gesprochen.

Porträt von Thomas EhrhardtÜber den Interviewpartner: Thomas Ehrhardt, Hauptbevollmächtigter & Country Manager in Deutschland, verantwortet das strategische und operative Management bei AmTrust International, Mortgage und Special Risks, Niederlassung Deutschland sowie die Erweiterung der Geschäftsfelder und den Ausbau der Geschäftsbeziehungen. Zuvor arbeitete Thomas Ehrhardt bei der Sparkasse und Hoist Immobilien. AmTrust International, Mortgage and Special Risks hat sich in Großbritannien und Europa auf Versicherungskonzepte für Ausfall- und Spezialrisiken fokussiert. Beide Produktlinien bieten unter anderem auch Vorteile im Bereich des Rechnungswesens (IFRS 9/IAS 39).

Guten Tag Herr Ehrhardt! Warum brauchen wir in Deutschland eine Kreditausfallversicherung? Wer nutzt sie? Und besteht nicht die Gefahr, dadurch eine Immobilienblase aufzupumpen?  

In Deutschland haben wir eine Wohneigentumsquote, die weit unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Die Menschen bei uns denken erst mit einem Alter von etwa 35 Jahren daran, eine Wohnimmobilie zu kaufen – anders als in anderen Ländern. Das liegt daran, dass junge Menschen in der Regel kein oder nicht genügend Eigenkapital aufbringen können. Eine Kreditausfallversicherung kann das ändern. Wir unterstützen Banken dabei, das Risiko einer Kreditvergabe ohne oder mit wenig Eigenkapital zu senken. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass Banken stark reguliert sind und eine sehr konservative Kreditvergabestrategie verfolgen – gleichzeitig besteht Druck auf die Margen. Wir bieten Banken ein Produkt an, mit dem sie die Margen steigern und Stückzahlen erhöhen können.

Dann zur Immobilienblase: Die eigentliche Frage ist doch, woher eine Immobilienblase kommt. Sie entsteht ja nicht, weil sich mehr Normalbürger Wohneigentum kaufen. Immobilienblasen haben gewisse Dynamiken, die oft Investoren verursachen und die auf dem deutschen Markt so noch nicht vorhanden sind. Man muss auch deutlich sagen: Im Schnitt ist die Entwicklung der Wohnimmobilienpreise in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern äußerst konservativ, so dass wir von einer Immobilienblase noch weit entfernt sind. Die Kreditvergaben sind zwar gestiegen, aber im moderaten Maße.

Seit einigen Monaten gehört die Kreditausfallversicherung von Genworth zu AmTrust. Was sind die Vorteile?

Ein großer Vorteil ist, dass die Expertise von Genworth weiterhin im deutschen Geschäft vorhanden ist. Es hat keine Änderungen der lokalen Betreuung gegeben. Ein weiterer Vorteil ist die Diversifikation im Produktportfolio von AmTrust International. Wir verfügen nun neben der Kreditausfallversicherung auch über Spezialversicherungen, die das Eigenkapital von Finanzinstituten entlasten.

AmTrust bietet neben der Kreditausfallversicherung auch Special Risks: Was ist damit gemeint?

Special Risk betrifft die Frage, wie Finanzinstitute ihr Eigenkapital entlasten. Wir sichern beispielsweise Kreditrisiken ab und gehen dabei auf die individuellen Anforderungen des Kunden ein:  Wie ist er aufgestellt und nach welchem internen Modell des Risikoansatzes arbeitet er? Wir schauen uns an, ob es ein sogenannter IRB-Kreditgeber (Interner Risikomodell-Ansatz) oder ein KSA-Kreditgeber (Kreditstandardansatz) ist, um Risiken zu identifizieren und zu separieren, um diese zu optimieren. Mithilfe unserer Versicherungskonzepte für Spezialrisiken sichern wir unter anderem ausgewählte Tranchen ab, reduzieren damit die Risk-Weighted-Assets (RWA), im Portfolio des Kunden, sei es im besicherten oder unbesicherten Kreditgeschäft.  Wir arbeiten auf Basis bewährter Methoden Hand in Hand mit dem Kunden und erarbeiten individuelle Konzepte.

Glauben Sie, dass der Bedarf nach Eigenkapitalentlastung zunehmen wird?

Aufgrund der anstehenden regulatorischen Änderungen werden weitere Anforderungen im Bereich der privaten und gewerblichen Kreditvergaben kommen. Speziell im Bereich der Risikoaktiva gibt es neue Herangehensweisen und Anforderungen, die zu einer stärkeren Nachfrage von Produkten zur Eigenkapitalentlastung führen werden.  Dabei muss aber auch klargestellt werden, dass Deutschlands Banken immer noch eine konservative Struktur haben und viele Möglichkeiten der Eigenkapitalentlastung noch nicht nutzen. Unsere Aufgabe ist es, diese Möglichkeiten bekannt zu machen und sie in den deutschen Markt einzuführen. Im Ausland sind solche Konstrukte schon seit Jahren Gang und Gäbe. Wobei natürlich beachtet werden muss, dass wir am deutschen Markt einige Besonderheiten haben. Als Versicherer muss man die ganze Thematik verstehen, um die individuelle Situation zu lösen.

Ist die Versicherung von Kreditrisiken für Unternehmen aus allen Branchen geeignet? Können Sie Beispiele nennen?

Ja, natürlich. Was wir machen, ist Risiken im Portfolio zu versichern, um Eigenkapital zu entlasten. Das geht in allen Branchen:  Wenn zum Beispiel die Kunden eines Unternehmens Massen an Bonuspunkten angehäuft haben oder Rückstellungen für Altersteilzeitkonten vorhanden sind, können wir diese absichern und damit die Bilanz optimieren.

Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Druck auf die Margen in der Versicherungsbranche allgemein um?

Insgesamt spüren wir den Margendruck, teilweise durch die niedrigen Kreditzinsen oder Refinanzierungskosten. Aber für uns wirkt sich der Margendruck bei den Kreditausfallversicherungen in einem geringeren Maße aus, da diese auf Langzeitrisiken mit einem Zeitraum von bis zu 20 Jahren kalkuliert ist. Dabei steigern unsere Kunden mit Hilfe der Kreditausfallversicherung ihre Margen: Durch den geringen Eigenkapitalanteil bei der Immobilienfinanzierung erhöhen sich die Darlehenszinsen nur leicht. Nach Auslauf des Versicherungsschutzes profitiert allein der Kreditgeber von den zuvor vereinbarten höheren Zinssätzen. Hinzu kommt, dass der Konkurrenzdruck bei uns noch nicht so stark vorhanden ist.

Vielen Dank für das Interview, Herr Ehrhardt! Wir sind gespannt, wie sich der Markt der Kreditausfallversicherungen entwickeln wird und werden das Geschehen weiterhin beobachten.

Das komplette Magazin können Sie hier herunterladen.

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