Podiumsdiskussion FMH Award
April 15, 2015

Baufinanzierung 2015: Schnelligkeit und Flexibilität sind entscheidend

Podiumsdiskussion: Herausforderungen für Banken, Versicherer und Vermittler

Innovative Produkte, mehr Flexibilität, mehr Individualität: Die Veränderungen, die auf die Baufinanzierungsbranche zurollen, zwingen Kreditinstitute umzudenken und neue Wege zu beschreiten. Insbesondere das niedrige Zinsniveau, die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WR) und der demografische Wandel bedeuten große Herausforderungen für Kreditgeber. Das war auch das Thema einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion bei dem FMH-Award Ende Januar, an der Natalie Gude Losada, Geschäftsführerin der PRO-DIRECT-FINANCE GmbH, teilnahm.

„Wird 2015 angesichts der niedrigen Zinsen ein langweiliges Finanzierungsjahr für die Branche?“, läutete Gastgeber Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung, die Diskussion ein. Angesichts der massiven Herausforderungen, denen deutsche Banken, Versicherer und Baufinanzierer gegenüberstehen, wohl nur eine rhetorische Frage: Der niedrige Zinssatz der EZB, die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie der EU, die voranschreitende  Digitalisierung und der gesellschaftlicher Wandel verlangen von Baufinanzierern Anpassungsfähigkeit und innovatives Denken.

Zu einer lebhaften Diskussion trug insbesondere das Thema demografischer Wandel bei. „In einigen Jahren werden weitere Millionen von Menschen nicht mehr erwerbstätig sein. Doch es fehlen Tilgungs- und Produktinnovationen, die sich an das Leben der Menschen anpassen“, erläuterte Natalie Gude Losada und forderte flexible, innovative Finanzierungsoptionen. Gerade in jungen Jahren sei das Geld für eine Kreditrückzahlung häufig knapp, die Familienplanung eher im Vordergrund und der Mensch noch im Findungsprozess. „Aufgrund der demografischen Entwicklung ist es gesellschaftlich also durchaus wichtig, stärker zu unterstützen. Hier ist der Bankbereich gefordert, neue Produkte auf den Markt zu bringen: Kredittilgungsmodelle, die zu bestimmten Zeiten höher angesetzt sind und den Kunden an anderen Stellen entlasten.“ Natalie Gude Losada fordert Produkte, die eine Familienplanung besser ermöglichen und Freiräume für eine bestimmte Zeit schaffen. Klaus Schön, AXA Bank-Vorstandsmitglied, dementierte das Fehlen flexibler Zahlungsmodelle und verwies auf verschiedene Angebote der Sondertilgung und Tilgungsaussetzung. Dem entgegnete Natalie Gude Losada, dass diese Angebote nicht durchgängig von allen Banken angeboten werden. Flexiblere Kreditmodelle müssten standardisiert auf den Markt gebracht werden.

Natalie Gude Losada von PRO-DIRECT-FINANCE              IMG_2931

Links: Natalie Gude Losada (Geschäftsführerin PRO-DIRECT-FINANCE GmbH), bereits ausgestattet mit dem Mikrofon für ihre Teilnahme an der späteren Podiumsdiskussion. Bild: fritzphilipp photography

Immobilienmarkt: Preise in Ballungsgebieten ziehen auch in Zukunft an

Unter anderem aufgrund der demografischen Entwicklung beobachten die Diskussionsteilnehmer eine Umverteilung der Nachfrage am Immobilienmarkt. „Wegen des niedrigen Leitzinses ist die Nachfrage nach Immobilien da, aber gibt es ausreichend Objekte“, fragte Franz Lücke, Abteilungsdirektor bei der Direktbank ING-DiBa AG, in die Runde. Andreas Hahn von der Badische Beamtenbank eG erläuterte, dass sich der Markt selbst reguliere und die Nachfrage gestillt werden könne. Eher seien die Preise, insbesondere in Ballungsgebieten, für viele Menschen nicht mehr bezahlbar.

In diesem Punkt waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Wer sich für eine Immobilie in Ballungszentren interessiert, hat es schwer. Der Trend geht aktuell (und nachhaltig) dahin, dass Menschen aufgrund der Arbeitsmarktsituation und Infrastruktur vom Land in die Großstadt ziehen. Die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum in den Metropolen führt dazu, dass der Kampf um eine bezahlbare Immobile in guter Lage immer härter wird. „Durch das Investitionskapital wird es weiterhin zu deutlichen Erhöhungen der Preise in den Städten kommen. Die schnellen Preiserhöhungen am Markt spiegeln sich aber bei der Objektbewertung durch Banken noch nicht wieder. Viel Eigenkapital durch den Erwerber ist notwendig, um diese Differenz aufzufangen. „Hier sind die Banken bei der Bewertung der Immobilie noch nicht darauf eingestellt. Gutachten und lange Bewertungsprozesse verlangsamen auch das Genehmigungsverfahren“, so Natalie Gude Losada. Der Trend verlange Schnelligkeit von Baufinanzierern, um im Wettbewerb zu bestehen – eine zügige Darlehenszusage der Bank ist unabhängig vom Zinssatz für den Interessenten mit entscheidend, um den Zuschlag für die Immobilie zu erhalten.

Neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie bindet Ressourcen und Kapital

Die Podiumsdiskussion zeigt: Baufinanzierer haben – bezogen auf ihre Ressourcenplanung – ein ungutes Gefühl beim Gedanken an die Europäische Richtlinie über Wohnimmobilienkreditverträge (WR), die im März 2016 in Kraft treten soll. Schon in diesem Jahr bindet die neue Richtlinie erhebliche Ressourcen der Baufinanzierer: Schulungen der Mitarbeiter, eine Fülle an bürokratischen Hürden, passende IT-Lösungen. „Das Thema Regulatorik ist ein wahnsinniger Aufwand für uns Banken“, so Nico Trautwein, Abteilungsleiter der Portfoliooptimierung von der Commerzbank AG. Hinzu komme eine große Portion Ungewissheit, denn die genauen Konditionen der EU-Richtlinie wurden bisher noch nicht konkretisiert.

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n-tv Redaktionsleiter Jochen Dietrich (rechts im Bild) im Gespräch mit Nico Trautwein, Abteilungsleiter Portfoliooptimierung der Commerzbank AG. Bild: fritzphilipp photography

Digitalisierung: Wer zukunftsfähig sein will, muss mobil denken

Der digitale Wandel beeinflusst bereits seit Jahren das gesellschaftliche Leben und sorgt auch im Banken- und Versicherungswesen für einschneidende Veränderungen: Menschen erwarten heutzutage, dass Banken Ihre Angebote, Produkte und Dienstleistungen online zur Verfügung stellen, Beispiel Online-Banking: Für viele Menschen ist die Überweisung per Klick bereits ein selbstverständlicher Ersatz des Filial-Besuchs. Mit Blick auf den großen Anteil der mobilen Internetnutzung muss auch die Optimierung der Angebote für Smartphone- und Tablets erfolgen. Die Thematik wird für Baufinanzierer zunehmend wichtiger: Finanzierungs- und Kreditangebote müssen für den Kunden online einsehbar sein. Baufinanzierer, die den Trend nicht umsetzen, werden vom Wettbewerb eingeholt, so die einstimmige Meinung der Teilnehmer der Podiumsdiskussion.

 

Das Video zur Podiumsdiskussion können Sie sich hier ansehen:

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