Mai 3, 2017

Interview mit Dirk Kannacher, GLS Gemeinschaftsbank eG, über ein besonderes Projekt in Kenia

Dirk Kannacher, Mitglied der Geschäftsleitung der GLS Bank in Bochum, unternahm im letzten Jahr eine Reise, die sein Leben verändert hat: In Kenia hatte er die Gelegenheit, Menschen und deren Lebensweise kennenzulernen. Bei dem Aufenthalt besuchte er unter anderem ein Gefängnis und eine Frauengruppe, die AIDS-Waisen aufnimmt. Die dort gemachten Erfahrungen haben ihn zutiefst beeindruckt und in ihm den Wunsch entfacht, tätig zu werden – so entstand das Projekt „Gemeinsam eine Schule bauen“, an dem sich auch PRO-DIRECT-FINANCE mit der Finanzierung eines Schulgartens beteiligt. In unserem Interview sprechen wir mit Herrn Kannacher und Frau Gude Losada über ein besonderes Projekt, das aus einer echten Herzensangelegenheit entsprang.

Über den Interviewpartner:

2010 kam Dirk Kannacher zur GLS Bank nach Bochum. Als Ressortleiter „Privat- und Geschäftskunden“ ist er zuständig für den telefonischen Kundenservice, die telefonische Beratung, den Zahlungsverkehr und das Vertriebsmanagement. Seit 2016 ist Dirk Kannacher Mitglied der Geschäftsleitung. Im Vordergrund stehen für ihn immer das besondere Kundenerlebnis und das Ermöglichen von sinnstiftenden Projekten. Der diplomierte Bankbetriebswirt war zuvor 10 Jahre in verschiedenen Führungsaufgaben bei einer deutschen Großbank tätig. Er ist 1971 geboren, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Witten.

 

 

 

Herr Kannacher, wie kamen Sie dazu, nach Kenia zu reisen und sich an dem Projekt zu beteiligen?

Zunächst einmal möchte ich Ihnen eine Frage stellen! Wissen Sie eigentlich, wie eine Ananas wächst?

Gute Frage. Wachsen die nicht auf einer Art Stamm am Boden?

Richtig – das wissen allerdings nur sehr wenige, denen ich diese Frage stelle. Was ich damit sagen möchte ist, dass wir in Europa oft gar nichts über die Länder wissen, die uns mit Nahrung und Kleidung versorgen. Das möchte ich gerne ändern und mit interessierten Menschen in den Austausch kommen.

Jetzt aber zu Ihrer Frage, wie es zu meiner Reise nach Kenia kam:

Als ich vor rund sieben Jahren zur GLS Bank kam, habe ich die  GLS Treuhand kennengelernt. Die GLS Treuhand entwickelt seit über 50 Jahren Schenkungskultur.  Neben individuellen Stiftungsfonds, treuhänderisch verwalteten und selbständigen Stiftungen arbeiten unter dem Dach der GLS Treuhand vier Zukunftsstiftungen. Eine dieser Stiftungen, die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung, arbeitet mit Projektpartnern in zwanzig Ländern in ganzheitlichen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.

So kam es, dass ich 2010 die erste Patenschaft für einen Jungen in Nairobi übernommen habe. Damals ging er in den Kindergarten der Rudolf Steiner Schule Mbagathi in Nairobi. Seit mehr als sechs Jahren stehen wir nun in Kontakt und schreiben uns regelmäßig. Zum Weihnachtsfest im Jahr 2015 erhielt ich zum ersten Mal einen Brief, den er ganz alleine geschrieben hat. Er bedankte sich für die Unterstützung und  äußerte den Wunsch, mich und meine Familie mal persönlich kennenzulernen. Als ich das las, wurde mir bewusst, dass ich mehr über die Menschen und die Bedingungen vor Ort erfahren möchte. Daraufhin habe ich die Geschäftsführerin der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung, Dr. Annette Massmann, gefragt, ob ich sie im Herbst 2016 nach Kenia begleiten kann. Und so kam es, dass ich die Reise im Oktober 2016 antrat. Das in Kenia Erlebte hat mich zutiefst beeindruckt und nachhaltig verändert – ich kann sagen, dass ich jetzt nicht mehr so lebe, wie vor der Reise.

War es Ihr erster Kenia-Besuch und was hat Sie beeindruckt?

Ja, es war mein erster Besuch in Kenia. Zehn Tage konnte ich Land und Leute erleben und kennenlernen. Ich hatte die Möglichkeit, die Arbeit der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung vor Ort zu erleben, da wir verschiedene Partnerorganisationen besuchten. Die Arbeit vor Ort ist enorm wichtig und ich habe gesehen, was es heißt, Bildung zu ermöglichen, Ernährung zu sichern und

einen regelmäßigen Zugang zu Wasser zu haben, um somit Lebensperspektiven zu eröffnen. Ich war und bin beeindruckt, wie stolz, glücklich und zufrieden die Menschen in Kenia sind, trotz der nach unseren Maßstäben einfachen Lebensverhältnisse.

Gibt es Dinge, die Sie nachdenklich stimmen?

Ich bin wieder nach Deutschland gekommen und habe gedacht: Ich kann jetzt nicht so weitermachen, wie ich bisher lebe. Seitdem habe ich mir vorgenommen, mit interessierten Menschen in einen Austausch zu kommen, um darüber zu sprechen, wie unser Verhalten hier vor Ort dazu beiträgt, dass es den Menschen in Kenia so geht, wie es ihnen geht. Ein Beispiel: Ich habe einen Ort besucht, in dem die Bewohner nur zweimal im Monat mit einem LKW Wasser geliefert bekommen. Dieses  Wasser muss zum Duschen, Kochen und für die Landwirtschaft reichen. Für uns hingegen ist die tägliche, ausgiebige Dusche selbstverständlich. Der Anbau von Früchten, wie zum Beispiel Ananas, die für den Export nach Europa bestimmt sind, nimmt den Menschen in Kenia die Nutzfläche, auf der sie selbst für ihren eigenen Bedarf anbauen könnten. Zudem beansprucht der Früchteanbau viel kostbares Wasser. Über die Diskussion solcher Themen kann jeder ein Verständnis für die Situation entwickeln.

Was können wir von den Menschen vor Ort lernen?

Auf meiner Reise in Kenia habe ich Menschen getroffen, die stolz berichteten, dass sie es geschafft haben, sich eigenständig selbst zu versorgen. Ich habe zum Beispiel eine Frauengruppe getroffen, die sich um AIDS-Waisen kümmert. Die alleinstehenden Frauen – sie haben ihre Männer verloren – nehmen Kinder aus der Gemeinde auf und begleiten diese beim Erwachsenwerden. Zur Finanzierung des Lebensunterhaltes stellen die Frauen Körbe in Handarbeit her und verkaufen diese auf dem Markt.

Wie kam es dazu, dass Sie solche Frauengruppen kennengelernt haben?

Ich habe Frau Dr. Massmann im Rahmen ihrer regelmäßigen Projektpartnerreise nach Kenia begleitet. Durch die Besuche der Projektpartner entstand dann auch der Kontakt zu den Einheimischen. Wir haben beispielweise SACDEP, die älteste Partnerorganisation der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung, besucht. SACDEP unterstützt Kleinbauern und -bäuerinnen in Kenia schon seit mehr als 20 Jahren. Die Organisation bildet Trainer aus, die Kleinbauern und -bäuerinnen im organischen Landbau schulen. Wir haben außerdem ein Gefängnis besucht, in dem Menschen sitzen, die mittelschwere Verbrechen begangen haben. In der Regel sind diese Menschen aus ihrer Gemeinde ausgestoßen. Die Organisation RODI arbeitet mit den Gefängnisinsassen zusammen und schult sie zum Beispiel in Landwirtschaftsthemen. Damit wird erreicht, dass die Menschen ihren Gemeinden nach dem Gefängnisaufenthalt einen Mehrwert bieten.

Ihr Projekt ist der Bau einer Waldorfschule mit einem Schulgarten in Selenkay, im Süden Kenias, der die Kinder gleichzeitig lehren und mit Nahrung versorgen soll. Wie kam es dazu?

Nach meiner Kenia-Reise habe ich gespürt, dass ich etwas tun muss und initiativ werden will. Daraufhin habe ich Freunde und Geschäftspartner zu einem gemeinsamen Abend eingeladen. Wir haben uns dann in der Vorweihnachtszeit bei mir zu Hause getroffen und ich habe von meinen Erlebnissen und meiner Vision „Gemeinsam eine Schule bauen“ berichtet. Daraus hat sich eine Gruppe entwickelt, darunter auch PRO-DIRECT-FINANCE, die jetzt gemeinsam initiativ werden.

Damit sich die Kinder und Lehrer unabhängig ernähren können, soll es auch einen Schulgarten geben. Der Schulgarten ermöglicht die Selbstversorgung und lehrt die Kinder gleichzeitig den Anbau von Nahrung.

Was nehmen Sie in Ihren Bankalltag mit?

Das Gefühl, noch bewusster wertzuschätzen, was wir an Sicherheit hier in Deutschland haben. Nicht nur eine finanzielle Sicherheit, sondern auch eine gewisse Lebenssicherheit. Und noch bewusster darauf zu achten, wie wir mit unserem eigenen täglichen Verhalten Einfluss auf die Welt nehmen.

Zusammengefasst: Einfach eine viel höhere Aufmerksamkeit für unser Handeln zu haben.

Frau Gude Losada, PRO-DIRECT-FINANCE unterstützt den Bau des Schulgartens. Wieso haben Sie sich dafür entschieden, dieses Projekt zu unterstützen?

Das ist ganz einfach: Der Gedanke etwas zu tun ist schon sehr lange da. Und es gibt so viel zu tun um zu helfen! Uns ist wichtig, das Richtige zu tun, aktiv zu werden und nicht einfach nur Geld zu spenden.

Die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung ist einfach näher dran als viele andere Organisationen. Da ist Frau Dr. Massmann mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen in der ganzheitlichen Entwicklungszusammenarbeit. Sie ist direkt im Projekt, kennt alle Namen und ist laufend vor Ort. Und da ist Herr Kannacher, Mitglied der Geschäftsleitung der GLS Bank, der mit Herzblut das Thema durch seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen schildert. Wir haben viele Gründe, die uns motivieren, etwas gemeinsam zu unternehmen. In erster Linie ist unser Handeln auch durch unsere Werte bestimmt. Es ist ein schöner Gedanke, mit den Mitteln, die wir haben, etwas zu tun oder zu ändern. An Ideen mangelt es uns dazu ebenso nicht! Wir haben viele engagierte Mitarbeiter, die auch schon vorher aktiv bei der Hilfe von Mensch und Tier unterwegs sind.

Warum die Förderung eines Schulgartens?

Weil es eine Basis darstellt und vom Grundwissen für das Leben ausgeht. Die eigene Ernährung sichert das Leben, dann kommt das Lernen. Das Lernen wird zu Gelerntem und kann hinaus in das Land getragen werden. So kann das Grundwissen über Ernährung, verbunden mit der positiven Erfahrung, in die jeweilige Gruppe oder das Dorf getragen werden. Kindern beizubringen, sich eigenständig ernähren zu können und sich unabhängig zu machen, ist ein idealer Ausgangspunkt für Veränderungen von innen! Der Schulgarten ist die Basis. Das Wissen über Pflanzen, Natur, Lebensbedingungen, Ernte und Verarbeitung muss ja noch vermittelt werden und deswegen fördern wir ebenso die Ausbildung eines Lehrers oder einer Lehrerin für drei Jahre vor Ort. So wird dann das Wissen an die Kinder vermittelt.

Spannend ist, dass das Wissen über Ernährung auch hier vor Ort immer wichtiger wird, gleichzeitig aber auch immer mehr verloren geht. Was ist das für eine Frucht? Was kann ich mit dem Gemüse machen, wie wird es verarbeitet und was benötigt es um zu wachsen? Ich habe all das als Kind noch vermittelt bekommen. Wir hatten tatsächlich einen Schulgarten. Das alles bleibt aber in den meisten Schulformen, der Zeit und Muße und dem Angebot an industriell gefertigter Nahrung auf der Strecke. Gleichzeitig entstehen immer mehr Allergien und Abwehrreaktionen. Wir entfernen uns so von der Natur. Es ist eigentlich merkwürdig wo wir gesellschaftlich angekommen sind. Wir müssen lernen, wieder zu verstehen, wie man mit der Natur lebt und sich ernährt. Wie man nicht die Basis zerstört, auf der wir leben.

Wann startet das Projekt?

Zurzeit herrscht Dürre in Kenia. Die Familien und Kinder in Selenkay benötigen Lebensmittelhilfe, bei der sie von der Zukunftsstiftung Entwicklung unterstützt werden. Wir hoffen, dass die normale Regenzeit im April wieder einsetzt. Dann soll es losgehen mit den ersten Spatenstichen. Wir haben ein hohes Vertrauen in Frau Dr. Massmann und die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung und bleiben dicht dran. Es gibt auch Mitarbeiter von uns, die sehr gern auch vor Ort mit aktiv sein wollen. Auch wenn das, was wir tun, nur ein ganz kleiner Baustein ist, so gehen wir den Weg Schritt für Schritt ganz bewusst. Die Reiseerlebnisse von Herrn Kannacher brachten bei uns die Kugeln ins Rollen. Vielleicht erreichen wir noch mehr Menschen, die zuhören und denen es genauso geht!

Vielen Dank Herr Kannacher und Frau Gude Losada für das spannende Interview und die Einblicke! Wer sich weiter über die Projekte in Kenia informieren möchte, ist herzlich eingeladen, die Ansprechpartner zu kontaktieren:

Kontakte

GLS Bank

Dirk Kannacher

E-Mail: dirk.kannacher@gls.de

Telefon: 0234 – 5797 5419

www.gls.de

 

GLS Zukunftsstiftung Entwicklung

Dr. Annette Massmann

E-Mail: entwicklung@gls-treuhand.de

Infos zur Dürre in Kenia: www.zukunftsstiftung-entwicklung.de 

Telefon: 0234 – 5797 5134

 

PRO-DIRECT-FINANCE GmbH

Natalie Gude Losada

E-Mail: natalie.gude_losada@pro-direct-finance.de

Tel: 030 – 5302809 704

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